Ratsversammlung bekräftigt Auftrag: Verwaltung soll erste Stadtbahnlinie planen

Eine deutliche Mehrheit der Kieler Ratsversammlung hat am 15.03.18 für den Antrag von SPD und SSW gestimmt, die Verwaltung mit Planungen für eine erste Stadtbahnlinie zu beauftragen. Der Anfang soll mit einer Linie von der Fachhochschule zur Universität gemacht werden. Spätere Erweiterungen, vor allem nach Mettenhof, sollen dabei aber bereits jetzt berücksichtigt werden.

Mit dem Antrag wurden frühere Ratsbeschlüsse bestätigt. So erhielt die Verwaltung schon im Januar 2016 im Rahmen der Olympia-Bewerbung den Auftrag eine erste Linie zu planen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über Luftschadstoffe und Fahrverbote wurde dieser Auftrag noch einmal bekräftigt. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass im letzten Jahr erschienene Gutachten (v.a. Masterpläne Mobilität und 100% Klimaschutz) sich eindeutig für die Tram aussprachen.

Achim Heinrichs von der SPD betonte, dass es ein sinnvoll sei, mit einer Strecke zu beginnen. Rückblickend habe man mit der auf Eis gelegten StadtRegionalBahn zu groß gedacht und wohl viele Leute überfordert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung ermächtigt der Antrag den Oberbürgermeister aber dennoch, Gespräche über die StadtRegionalBahn wieder aufzunehmen, falls es angesichts der gegenwärtigen Probleme zu einem Umdenken in den Nachbarkreisen gekommen ist.

Er erinnerte auch noch einmal daran, dass der Busverkehr besonders im Bereich der Uni schon vor Jahren seine Grenze erreicht hat und es gerade dort keine Alternative zur Stadtbahn gebe.

Überraschend schlug Heinrichs vor, als Kompromisslösung die Tram zur Universität nicht über die Holtenauer Straße, sondern über den Westring zu realisieren. Er ging damit auf wiederholt von CDU und FDP vorgetragene Bedenken ein, die Holtenauer Straße sei ein zu sensibler Bereich für eine Stadtbahntrasse.

Lutz Oschmann (Grüne) führte noch einmal vor Augen, wieviele Menschen jeden Tag nach Kiel pendeln. So wurden letztes Jahr 66.000 Einpendler gezählt. Auch dies zwinge zu mutigeren Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV.

Die CDU sprach sich dennoch gegen den Antrag aus. Die Stadtbahn sei zwar wünschenswert, es sei aber keine Finanzierungsmöglichkeit erkennbar. Außerdem sei es nicht möglich, nördlich des Kieler Kopfbahnhofs eine Schienentrasse zu legen, so begrüßenswert dies auch sei. Insbesondere die Holtenauer Straße würde durch eine Trasse geschädigt werden.

Ein Änderungsantrag der Grünen fand keine Mehrheit. Die Grünen wollten bereits mit den ersten Planungen eine Anbindung Schilksees und des Kieler Südens prüfen lassen. Am Ende schlossen sie sich dem Antrag von SSW und SPD an.

Gegen beide Anträge sprachen sich CDU und FDP aus.

Für den Antrag stimmten am Ende SPD, SSW, Linke, Grüne und die fraktionslosen Ratsleute Rahim, Guttsche, Danker. Ratsherr Regener enthielt sich. Der Antrag fand damit eine Zweidrittelmehrheit. Insgesamt stimmten 35 Ratsleute für, 16 gegen den Antrag; es gab eine Enthaltung.

 

13 Gedanken zu „Ratsversammlung bekräftigt Auftrag: Verwaltung soll erste Stadtbahnlinie planen

  1. Jürgen Boldt

    citat : Außerdem sei es nicht möglich, nördlich des Kieler Kopfbahnhofs eine Schienentrasse zu legen,
    das ging doch früher ?
    mich würde es freuen (auch wenn ich nur Besucher bin )
    mfG
    Jürgen Boldt

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  2. Stephan Heinrich

    citat : Außerdem sei es nicht möglich, nördlich des Kieler Kopfbahnhofs eine Schienentrasse zu legen

    Die sowas äußern, denen fehlt die Phantasie und der Blick über den Tellerrand. Ein Ausflug in andere Städte, z.B. Karlsruhe, Dresden, München oder Erfurt sei empfohlen. Es geht, zumal eine Schienenbahn weniger Platz in der Breite benötigt als der Bus wegen seiner fehlenden festen Spurführung!

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  3. Hartmut Pinck

    Hoffentlich werden nicht wieder Tausende EURO für irgendwelche “Gutachten” verbraten. Das die Versager von der CDU und FDP wieder gegen eine Stadtbahn sind, war von vornehin klar. Typen wie Garg oder Kubicki haben jeglichen Blick für die Realition verloren. Die Mehrheit hat entschieden. Fangt endlich an zu bauen !!

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    1. jann Beitragsautor

      So sehr ich auch Ihren Verdruss über den mangelnden Fortschritt nachvollziehen kann: bitte mäßigen Sie Ihren Ton und sehen Sie von persönlichen Angriffen ab.

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  4. Stadtbahnfreund

    Ich freue mich auf die Wiedereinführung der Straßenbahn in Kiel. Der erste wichtige Schritt seit der Einstellung im Jahr 1984 ist der Planungsauftrag an die Verwaltung. Ich hoffe nur, das wir in Kiel nicht das gleiche Desaster wie in Hamburg erleben werden, wo nach der letzten Bürgerschaftswahl das Planfeststellungsverfahren zur Einführung der Straßenbahn gestoppt wurde.
    Die Einführung einer Stadtregionalbahn wurde u.a. durch Entscheidungen der Kieler Ratsversammlungen gestoppt, da der Abbau der Bahnstrecke vom HBF zur Uni nicht durch die Umlandkreise beschlossen wurde.

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    1. jann Beitragsautor

      Hallo.

      Die StadtRegionalBahn sollte nie über die alte Güterbahn Kiel-West fahren. Es gab meines Wissens in den ganz frühen Planungen Anfang der 2000er mal Überlegungen in diese Richtung. Diese sind aber ziemlich schnell verworfen wurden. Denn die Erschließungswirkung dieser Strecke tendierte gegen Null. Die StadtRegionalBahn sollte den Hauptbahnhof über die “Stammstrecke” Holtenauer Straße/Holstenbrücke erreichen.

      Die Kieler Ratsversammlung hat bis zum Schluss für die SRB gestimmt. Der letzte Antrag, mit dem mehrere Millionen für die Ausführungsplanungen bereitgestellt wurden, fand damals sogar eine Dreiviertelmehrheit.

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  5. Matthias

    Das die Stadtregionalbahn zu groß war, war schon die ganze Zeit klar…. Die Idee mit der Trasse auf dem Westring begrüße ich. Der Rest vin Kiel ist ziemlich verbaut, sodass es fast unmöglich wird Kompromisse zu finden für die Anbindung an die Innenstadt.
    Man könnte es vielleicht über die Hafenseite versuchen, aber dann wird dort wieder alles zu eng und zu teuer..
    Es klingt surreal, aber lustigerweise vorstellbar, dass man die Tram nun teilweise unter die Straße verlegt. Am Hauptbahnhof entlang, den Ziegelteich hoch bis zum Westring, dort wieder oberirdisch bis zur Uni, Endhaltestelle, natürlich das Holstein Stadion und Holstein Kiel in der ersten Liga 🙂
    Aber das ist alles Science Fiction und Kiel hat leider kein Geld. Hätte ich zufällig ein paar Millonen übrig, würd ichs tun. Hab ich aber nicht. Schöne Grüße Matthias

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    1. Stadtbahnfreund

      Auch wenn Kiel sehr verbaut ist und schon immer war, hat es eine Schmalspurstrassenbahn gegeben. Die Linie 4 war übrigens eine der wichtigsten Strecken des Kieler ÖPNV. Warum nicht eine Schmalspurstrassenbahn wie in Braunschweig wieder einführen?

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      1. Matthias

        Ja warum nicht! Ich bin dafür. Und dann eine Strecke, die direkt mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt.. Route zur Uni, oder Bahnstrecke nach Dietrichsdorf auch als personenstrecke benutzen, nicht nur güter..

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  6. eider78

    Ein Ausflug in die Kieler Vergangenheit, würde schon reichen. Ein Schienenstrang in de Holtenauer ist allemal möglich. Siehe Kieler Straßenbahn bis zur stilllegung.
    Leider….sagt die CDU auach nicht, wie sie den ÖPNV verbessern wolle. ZB.: Reine Busspuren in der Holtenauer, die frei gelassen werde müssen.
    Die alte Leier der Kieler CDU gegen jeglichen Schienen ÖPNV bin ich leid. Deswegen, habe ich am Sonntag so gewählt, wie ich gewählt habe, so das beide Volksparteien verluste erleiden, weil von beiden Volksparteien kaum noch gutes bei raus kommt.
    Beide Volksparteien haben sich quasi selbst in den Stellungskrieg geführt.
    Laßt uns eine Stadtbahn realisieren.
    Und im Artikel zur damaligen SRB Kiel, hat ein SPDler gesagt: Man habe die Menschen überfordert. Weit gefehlt. Solche Projekte, wie das Karlsruher Modell, wachsen… von Innen nach Außen. Und werden nicht groß geplant. Vor allem, haben 2 Kreise wiederwillig mit gemacht.
    Zudem: Sind die vorhandenen Bahntrassen kaum in der Lage zusätzlichen Bahnverkehr aufzunehmen. Diese Bahntrassen, zb nach Eck oder Plön, müssten vollstädnig, 2 gleisig ausgebaut werden. Erst dann, wäre eine RegioTram mit dichtem Takt möglich. Bereits jetzt, müssen Züge die vom Kieler HBF nach Eck faren am Citti-Park halten und warten bis der entgegenkommende Zug durch ist. Wie sol ldas bei einer RegioTram funktionieren!?
    Während die Strane zum Teil ausgebaut wurden, zb Olof-Palme-Damm ode die verlegung der B 503 und deren 4 spuriger Ausbau. Während die vorhandenen Bahntrassen, immer noch so aussehen, als würde der Kaiser noch regieren…
    Straßen und Schienen müssen ausgebaut werden und im Ausbau der Bahntrassen, hat Kiel zu wneig getan.

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  7. Werner Klingbiel

    Wenn man neu baut sollte man regelspurig bauen. Entscheidend ist nicht die Spurweite sondern die Breite der Fahrzeuge ob man irgendwo durchkommt oder nicht. Abgesehen davon fänden FDP und CDU sollte eine Daimler Bus Trasse gebaut werden sicher ganz schnell eine Möglichkeit. Wo ein Wille ist auch ein Weg zumal es ja einmal eine Straßenbahn gab. Selbst In Erlangen, inzwischen selbst eine Großstadt, wo es noch nie eine Straßenbahn gab fand man sinnvolle Wege für die Stadt Umland Bahn von Nürnberg nach Herzogenaurach. Weitere Linien sind geplant. Auch in Mittelfranken ist die Straßenbahn bisher auf Nürnberg beschränkt und wird jetzt ins Umland verlängert. Also ist der erste Schritt in Kiel erst einmal nur im Stadtgebiet zu bauen sicher der richtige Weg. Alles übrige ergibt sich, wenn die Stadtbahn erst einmal fährt.

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  8. Jens

    Warum ist hier eigentlich so wenig los? Das Thema interessiert uns doch alle!
    Wo sind Euphorie und Ideen? Liegt es daran, dass es in Kiel immer Jahrzehnte dauert, bis etwas umgesetzt wird und keiner an eine Realisierung noch zu seinen Lebzeiten glaubt?
    Warum beteiligt die Stadtverwaltung die Bürger nicht offensiv und mit breiter Öffentlichkeitsarbeit am Fortgang des Projektes? Man könnte die Leute begeistern. Tut man aber nicht. Oder liegt es etwa daran, dass gerade überhaupt nichts passiert?
    Ein bisschen mehr Action in der Verwaltung würde sicherlich auch dazu führen, dass der “Bürger” nicht nur frustriert denkt, dass – egal was er wählt – doch nichts passiert.
    Man könnte den Lokalteil der KN mit Ideen fluten und Diskussionen herbeiführen. Das alles diente auch der Identifikation mit der eigenen Stadt.
    Auch die Diskussion über Brückentechnologien läuft m.E. lieblos und umabitioniert.
    Mal ehrlich. Ein Hybridbus ist doch kein Elektrobus sondern ein Dieselstinker. Die gesamte Energie stammt aus dem Verbrennungsmotor. Der einzige Vorteil ist, dass die Maschine immer an einem ziemlich optimalem Arbeitspunkt gefahren werden kann – Verluste durch Motorlaufenlassen an Haltestellen und Ampeln entfallen, das wird von Umwandlungsverlusten in gewisser Größenordnung teilweise wieder aufgefressen. Insgesamt kein so großer Wurf, dass man vor Ehrfurcht auf die Kniee geht.
    Ein Hybridbus hat normalerweise so wenig Akkureserve, dass der Diesel dann doch mitten in der Innenstadt anspringt. Ganz neue Modelle soll man GPS-gesteuert dazu bringen können, das sowas nicht passiert. Dann muss aber wieder mehr Akku her.
    Es gibt ja auch noch O-Busse, eine schon wirklich sehr lange beherrschte Technologie, die man sehr bequem auf einem schnell wachsenden Liniennetz realisieren könnte. Wenn dann die Fahrgastzahlen stimmen, werden in ein paar Jahren Schienen gelegt. O-Busse gab es in Kiel schon mal.
    Oder wenn es etwas ganz Modernes sein soll, warum werden nicht Akku-O-Busse beschafft, die teilweise autark fahren und auf unanspruchsvollen Streckenführungen an die Oberleitung gehen und während der Fahrt die Akkus auftanken. Vermutlich ist diese so naheliegende Lösung einfach noch nicht so weit, um in den Köpfen angekommen zu sein. Außerdem – und das wiegt mutmaßlich viel schwerer – sind die mit uneinholbarem Abstand weltweit wichtigsten Hersteller von O-Bus-Technologie natürlich nicht in Stuttgart sondern in China, wo man bei sochen Dingen selbstverständlich die Nase vorn hat.
    Nur erwähnen möchte ich weitere Technologien wie Straßenbahn auf Gummireifen (gibt´s z.B. in Paris), ein Zwischending zwischen Straßenbahn und O-Bus / Akku-Bus – dank Mittelspurführung sind sehr lange Traktionen machbar – das ganze mit einem Fahrkomfort nahe dran an einer Straßenbahn.

    Ich finde, dass es wert ist über solche Dinge öffentlich zu diskutieren, damit in den Köpfen Dampf gemacht wird und wir mehr als 30 Jahre nach der folgenschwersten Fehlentscheidung Kieler Verkehrspolitik endlich wieder ein zukukunftsfähiges Nahverkehrssystem bekommen.

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  9. Streufert

    Auch wenn ich die Trassenführung über Eckernförder Straße und Westring nicht für ideal halte: Hauptsache, es geht endlich los, sonst ist Kiel in wenigen Jahren die letzte Stadt über 200.000 Einwohner in Europa, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat. Unter den 350.000-Einwohner-Regionen ist Kiel es vermutlich bereits heute. Wir haben bereits ein wertvolles Jahrzehnt verloren und konnten/ können die Jahre mit sprudelnden Einnahmequellen für die öffentliche Hand nicht nutzen. Sollte die Finanzlage einmal wieder auf den Stand des ersten Jahrzehnts dieses Jahrhunderts zurückfallen, gehen in Kiel ÖPNV-technisch eh die Lichter aus. Also auf geht’s. Überall ist die Einführung eines schienengebundenen ÖPNV eine Erfolgsgeschichte und zieht den mehr oder weniger zügigen Ausbau desselben nach sich und alle -auch die Damen und Herren aus der Wirtschaft- sind zufrieden.
    In den folgenden Ausbaustufen kämen dann sicher Mettenhof, Suchsdorf und vor allem der Norden (mit der Holtenauer!) auch noch ans Netz…

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