Die Tram in der Kommunalwahl 2018

Am 06.05.2018 bestimmen 198.000 wahlberechtigte Kielerinnen und Kieler die Zusammensetzung der nächsten Kieler Ratsversammlung. Die Tram ist auch in diesem Wahlkampf ein großes Thema.

Tram für Kiel hat in die Wahlprogramme der Parteien geschaut und die Antworten auf die Frage zur Tram in den Wahlprüfsteinen des BUND gesammelt. Und dabei eine erfreulich breite Unterstützung des eigenen Anliegens vorgefunden.

Eindeutig für eine Tram sprechen sich aus: SPD, Grüne, SSW, Linke

Noch unentschieden sind: FDP und Piraten

Gegen eine Tram sprechen sich aus: CDU und AFD

Die Stellungnahmen der Parteien im Einzelnen:

Bündnis 90/Die Grünen – Pro Tram 😀

Logo von Bündnis 90/Die Grünen

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wir fordern diese schon lange und unterstützen jede Entwicklung dahin.

Aus dem Wahlprogramm (S. 22):

Busse allein reichen nicht mehr für den öffentlichen Nahverkehr in Kiel. Deswegen
benötigen wir in Kiel ein neues Verkehrssystem, um den Anforderungen im öffentlichen
Nahverkehr zu entsprechen und eine Verkehrswende zu ermöglichen. Die Stadtbahn ist
der Schlüssel zum Erfolg. Wir hatten große Hoffnungen in die Stadt-Regional-Bahn
gesetzt, die 2016 leider durch den Nachbarkreis Rendsburg-Eckernförde gestoppt
wurde.

Nun ist es an der Zeit, zunächst eine innerstädtische Stadtbahn für Kiel auf den Weg zu
bringen. Wir sehen sie auch als deutlich sichtbares Symbol für die Verkehrswende in
Kiel, welches das Autofahren in der Stadt in weiten Teilen überflüssig macht. Mit ihr
kann elektrisch, umweltfreundlich und bequem gefahren werden. Wir denken, dass mit
politischem Willen und Zielstrebigkeit die Stadtbahn für Kiel bereits zeitnah Realität
werden kann. Ein erster Streckenabschnitt wäre zwischen Gaarden, dem Hauptbahnhof
und der Universität sinnvoll, also eine Linie, die Ost- und Westufer verbindet und somit
sprichwörtlich Brücken schlägt.

Kiel ist inzwischen die einzige Landeshauptstadt ohne schienengebundenen
Nahverkehr. Wir werden deshalb prüfen, wie wir ein solches Projekt auch ohne die
Umlandgemeinden in Kiel realisieren können – dabei wollen wir auch innovative Ideen,
wie etwa eine schienenlose Stadtbahn als Übergangslösung prüfen. Wir setzen uns
aber primär für eine Stadtbahn nach französischem Vorbild ein, wie unsere Partnerstadt
Brest sie hat. Rasengleise, neue Plätze, tangierende Rad- und Fußwege sind
Charakteristika dieser ökologischen Gestaltung und sorgen für Aufenthaltsqualität in
der Stadt.

SPD – Pro Tram 😀

Logo der SPD

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wir haben zusammen mit dem SSW die Drs. 0193/2018 in Ratsversammlung zum
15.03.2018 – „Die Zeit ist mehr als reif: Stadtbahn für Kiel“ eingebracht. Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Stadtbahn oder eine StadtRegionalBahn die beste Lösung zur verkehrlichen Entlastung Kiels sind. Die SPD steht dafür, den öffentlichen Personen-Nahverkehr in Kiel mit einer Stadtbahn zu ergänzen.

Aus dem Wahlprogramm (S. 10):

Die Bahnverbindungen ins Kieler Umland wollen wir mit zusätzlichen Haltepunkten und dichteren Taktungen zu einer Regio-S-Bahn ausbauen. Auf dem Kieler Stadtgebiet wollen wir kurzfristig das Busangebot unter anderem mit Schnellbuslinien verbessern. Daneben wollen wir in Kiel Planung, Finanzierung und Bau einer Stadtbahn vorantreiben. Dafür streben wir eine breite Unterstützung an: Solch ein wichtiges Projekt benötigt Partner*innen der Kommunalpolitik, in der Stadtgesellschaft, bei Unternehmen und beim Einzelhandel. Außerdem erwarten wir eine substanzielle finanzielle Unterstützung durch Land und Bund.

Die Linke – Pro Tram 😀

Logo von Die Linke

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wir unterstützen die Idee einer Stadtbahn/Tram. Allerdings sollte über den innerstädtischen Verkehr hinausgedacht werden. Das Potential eines schienengebundenen Nahverkehrs kann erst dann voll ausgeschöpft werden, wenn eine Stadtbahn/Tram in ein Stadt-Regionalbahnsystem eingegliedert wird.

Aus dem Wahlprogramm (S. 18):

Die Linke kämpft für einen besser ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr, der zumindest langfristig für alle Nutzer*innen kostenfrei und attraktiv ist. Für uns ist die Stadtregionalbahn noch lange nicht vom Tisch.

SSW – Pro Tram 😀

Logo des SSW

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wie bereits oben angeführt, ist der bisherige ÖPNV mit seinen Bussen in vielen Bereichen an der Leistungsgrenze angelangt. Darum wollen wir eine Stadtbahn von Elmschenhagen bis zum Olympiazentrum in Schilksee, von der Christian-Albrechts-Universität bis zur Fachhochschule in Dietrichsdorf. Die Stadtbahn ist auch notwendig, um unsere Klimaziele zu erreichen und die Schadstoffemissionen im Verkehr nachhaltig zu reduzieren. Die erst vor kurzem in Betrieb genommene Letbane in Aarhus, unserem Partner in Dänemark, kann dafür ein Vorbild sein.

Aus dem Wahlprogramm (S. 2):

Wir wollen den Menschen attraktive Alternativen zum Individualverkehr anbieten. Darum wollen wir eine Stadtbahn von Elmschenhagen bis zum Olympiazentrum in Schilksee, von der Christian-Albrechts-Universität bis zur Fachhoch-chule in Dietrichsdorf. Wir setzen darauf, Kiel als Fahrradstadt weiter auszubauen – wie in Kopenhagen. Wir wollen den ÖPNV stärken und ihn für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, verbessern. Fahrverbote lehnen wir ab. Wir forcieren den Einstieg in den kostenlosen Personennahverkehr für alle EinwohnerInnen Kiels.

CDU – Dagegen 🙄

Logo der CDU

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Die Idee einer Stadt-Regional-Bahn ist leider nach wie vor völlig wirklichkeitsfremd. Eine
Regionalbahn kann es wegen des Widerstandes in der Region (in den benachbarten Kreisen)
nicht werden, eine Stadtbahn kann es z.B. wegen der Nichterreichbarkeit vieler Stadtteile
(z.B. Unüberwindbarkeit der Holtenauer Hochbrücke wegen der Brückenstatik) und massiver
Eingriffe in gewachsene Stadtteile (siehe Holtenauer Straße) nicht werden. Darüber hinaus
gab es kein Konzept für eine Finanzierung insbesondere der laufenden Kosten. An diesen
Rahmenbedingungen hat sich nichts geändert. Der Rückbau der alten Straßenbahn stellt
einen nicht reversiblen Fehler dar. Teilweise sind ehemalige Gleistrassen mittlerweile auch
Velorouten geworden. Wir setzen uns aber für die Reaktivierung von Stadtteilbahnhöfen und für die Strecke Hein Schönberg ein.

Ansonsten keine Erwähnung im Wahlprogramm.

FDP – Kritisch 😐

Logo der FDP

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wir lehnen eine Stadtregionalbahn ab. Eine Stadtbahn hingegen gilt es gerade unter Kosten-Nutzen-Aspekten kritisch zu prüfen.

Ansonsten keine Erwähnung im Wahlprogramm.

AFD – Dagegen 🙄

Logo der AFD

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

So sehr uns eine saubere Umwelt am Herzen liegt, können wir einer Wiedereinführung einer Kieler Straßenbahn gegenwärtig leider nur wenig abgewinnen. Der Grund liegt insbesondere in den sehr hohen Kosten, die den angestrebten Zweck kaum rechtfertigen können. Wir halten eine Verstärkung der Busflotte für eine wirksamere Alternative.’ Das Geld lässt sich sinnvoller für eine Stärkung der ÖPNV-Achsen in Kiel, gerne auch in Verbindung mit einer verbesserten Anbindung an das Kieler Umland, verwenden. Besonders im Hinblick auf eine Verbindung zum Individualverkehr in Form von Park+Ride sehen wir noch beträchtliches Entwicklungspotential.

Ansonsten keine Erwähnung im Wahlprogramm.

 

Piraten – Unentschieden 😐

Logo der Piratenpartei

Wie steht Ihre Partei zu einer Stadtbahn/Tram?

Wir stehen einer Stadtbahn generell positiv gegenüber, da Kiels Lage um die Förde herum
sehr lange Wege mit sich bringt und es bislang kein Verkehrsmittel gibt, dass die großen
Entfernungen schnell überwindet. Allerdings haben wir uns bei der Entscheidung für eine
Stadtbahn noch nicht festgelegt. Der Hintergrund: Bis eine Stadtbahn realisiert ist, vergehen nach aktuellen Planungen mindestens 10 Jahre. In 10 Jahren sollte aus unserer Sicht aber auch die tiefgreifende, neu gedachte Verkehrswende beginnen, die wir fordern und vorantreiben werden. Wir wollen den Verkehrsplanern dabei aber nicht erklären, dass sie dazu unbedingt eine Stadtbahn mit einplanen müssen. Vielmehr wollen wir uns erklären lassen, wie ein Verkehrssystem aussehen muss, dass unseren Ansprüchen schneller, sauberer, sicherer und bequemer (als bisher) entspricht. Dabei könnte herauskommen, dass alle Pkw raus müssen aus der Stadt, wir eine Stadtbahn sowie autonome Autos und Radschnellwege brauchen. Aber wie gesagt, dass sollen uns die „frei denken dürfenden“ Fachleute sagen.

Ansonsten keine Erwähnung im Wahlprogramm.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.