Pläne für Kiel

Die ersten Schritte in Richtung einer Tram für Kiel sind bereits getan. Die Stadt Kiel hat sich dafür entschieden, ein höherwertiges Nahverkehrssystem zu realisieren. Zur Vorbereitung einer finalen Systementscheidung wird hierzu aktuell eine Trassenstudie durchgeführt.

So könnte die obere Olshausenstraße auf Höhe des Audimax mit einer Tram aussehen. Bild © Ramboll / Studio Dreiseitl

Was bisher geschah

2018: In ihrer Sitzung vom 15. November 2018 beschließt die Ratsversammlung mit überwältigender Mehrheit die Planung und den Bau eines höherwertigen ÖPNV-Systems für Kiel.

2019: Die im Auftrag der Stadt Kiel erstellte Grundlagenstudie wird veröffentlicht. Die Gutachter vergleichen hierin unterschiedliche ÖPNV-Systeme miteinander unter anderem bezüglich der Leistungsfähigkeit, Umwelt- und Klimaschutz, der Kosten und des Nutzens.

Die Gutachter kommen zu dem Schluss:

Aus gutachterlicher Sicht ist die Errichtung eines Tramnetzes für die Landeshauptstadt Kiel aus verkehrlicher, städtebaulicher und ökonomischer Sicht die sinnvollste Variante, deren Umsetzung durch vertiefte Untersuchungen und die Einleitung eines breiten öffentlichen Beteiligungsprozesses eingeleitet werden sollte.

2020: Am 24.06.2020 schließen die Rathausfraktionen der SPD, CDU, Grünen und der FDP auf Landes- und kommunaler Ebene den sogenannten Nahverkehrsfrieden. Die Parteien einigen sich darauf, sich geschlossen hinter das ÖPNV-System stellen (Tram oder BRT), das im Rahmen der Trassenstudie nach ausschließlich fachlichen Gesichtspunkten als das geeignete System für Kiel ermittelt wird.

Aktuell

Seit Ende 2020 wird die Trassenstudie erarbeitet. Mit ihr wird die finale politische Entscheidung über die Fragen vorbereitet, auf welchen Trassen ein höherwertiges ÖPNV-System realisiert werden wird und für welches System man sich Ende entscheidet – Tram oder BRT.

Mit der durch das Land geförderten Studie werden Trassen entlang der Nachfragekorridore untersucht, die bereits durch die Grundlagenstudie ermittelt wurden. Entlang dieser Korridore gibt es genügend Nachfrage für ein höherwertiges ÖPNV-System:

  • Dietrichsdorf – Hbf – Wik
  • Fachhochschule – Hbf – Universität – Suchsdorf
  • Elmschenhagen – Hbf – Mettenhof
In diesen Korridoren haben die Gutachter der Grundlagenstudie genügend Nachfrage für ein hochwertiges ÖPNV-System gesehen.

Derzeit wird im Detail betrachtet, welche Straßen entlang der Korridore am besten geeignet sind und wie der Straßenraum aufgeteilt werden könnte.

Im Rahmen der Trassenstudie wird auch eine Nutzen-Kosten-Bewertung nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten errechnet. Man braucht eine positive Bewertung, um Fördermittel des Bundes zu erhalten. Die Studie soll Mitte 2022 abgeschlossen werden.

Nach Erörterung des Gutachtens wird eine politische Entscheidung im Laufe des Jahres 2022 erwartet. SPD, CDU, Grüne und FDP haben im Rahmen des sogenannten Nahverkehrsfriedens betont, dass sie sich gemeinsam hinter das nach fachlichen Gesichtspunkten bessere System stellen werden.

Ende 2020 wurde eine Stabsstelle im Rathaus eingerichtet. Dort kümmern sich mittlerweile sechs Mitarbeiter*innen um die Planung des höherwertigen Nahverkehrssystems. Die Trassenstudie wird von der Firma Rambøll mit einem eigenen Team in Kiel bearbeitet.

Im Februar 2021 wurden die Planungsparameter festgelegt.

Ende März 2021 wurde Phase 1 der Trassenstudie abgeschlossen, ein Großteil der untersuchten Streckenvarianten wurde ausgeschlossen. Von einstmals 130 km sind noch 50 km im Rennen – für ein Zielnetz von 35 km.

Das sind die Strecken, die bis zum Sommer 2021 untersucht werden. Im Anschluss wird es eine Empfehlung für ein konkretes Netz geben. Und eine gutachterliche Empfehlung für die Entscheidung, ob es Tram oder BRT werden sollen. Bild: Stadt Kiel.

Ausblick

Aktuell sind wir in der Phase der Vorplanung. Es wird jetzt untersucht, welches Nahverkehrsnetz am besten gebaut werden soll. Der ideale Streckenverlauf hängt von vielen Faktoren ab: was kosten die einzelnen Strecken und können sie gefördert werden? Wie teilt man den Straßenraum? Was sind die Auswirkungen auf den übrigen Verkehr? Wie funktioniert der spätere Betrieb am besten? All diese Dinge wird man für die politische Entscheidung brauchen. Aber auch für ein Genehmigungsverfahren und Verhandlungen über eine Förderung. Ende 2022 wird es eine politische Entscheidung über System und Trassen geben.

Anschließend geht es in die Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Für die spätere Umsetzung wird bis ins Detail geplant. Die Stadt Kiel muss Fördermittel bei Land und Bund beantragen. So können die Infrastrukturkosten einer Tram mit bis zu 75% seitens des Bundes gefördert werden. Darüber hinaus könnte sich das Land Schleswig-Holstein an der Finanzierung beteiligen. Am Ende erfolgt das Planfeststellungsverfahren, mit dem die Pläne der Öffentlichkeit zur Diskussion vorgelegt werden. Diese Phase wird wahrscheinlich von 2023 bis 2025 dauern.

Daran anschließen wird die Ausführungsplanung. soll es dann bis 2027 um die Planung und Ausschreibung der Bauarbeiten sowie der Beschaffung von Technik und Fahrzeugen gehen.

2030 ist dann mit der Eröffnung der ersten Linie zu rechnen.

2032 könnte frühestens das komplette Kernnetz aus den drei Linien (entsprechend den bereits identifizierten Nachfragekorridoren) fertiggestellt sein.

Muss das so lange dauern?

Auch wir von Tram für Kiel e.V. würden uns wünschen, dass die Tram für Kiel viel schneller Realität wird. Aber je näher wir uns damit beschäftigen, desto mehr müssen wir uns doch eingestehen, dass es voraussichtlich nicht viel schneller gehen wird.

Die Tram für Kiel ist ein Projekt, das viele Aspekte und Interessen berührt und deswegen vernünftig, nachhaltig und im Konsens aller Beteiligten geplant werden will. Ärger über vermeintlich überflüssige Bürokratie ist deshalb nicht angebracht, denn Politik und Verwaltung müssen sich die notwendige Zeit nehmen, um an verschiedenen Punkten der Planung immer wieder mit den Bürger*innen Kiels ins Gespräch zu kommen und ihre Wünsche und Belange ernsthaft mit zu berücksichtigen.